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Schieflage

(zu den Arbeiten in St. Benedikt, München, im Rahmen der Open Westend, 02/2003)

Die Waagerechte ist eine Illusion

Die Natur ist voller Ordnungen, alles hat die richtige Richtung, orientiert sich nach den Gegebenheiten, ist strukturiert - aber dennoch schief. Die einzige Waagerechte in der natürlichen Umwelt ist die gleichmäßige Verteilung von Flüssigkeiten, aber auch nur, sobald sie ein menschliches Maß nicht überschreiten, denn dann wird die Erdkrümmung messbar und die scheinbare Waagerechte, nach der wir Häuser bauen, wird zu dem Bogen, den wir vor dem Horizont des offenen Meeres wahrnehmen.

Die Mathematik hat sich die Waagerechte als die kürzeste Verbindung zweier gleich hoher Punke erfunden, ihre Schwesterwissenschaft die Physik weiß, dass es immer Kräfte gibt, die diese Annahme widerlegen. Strahlen, Geschosse und andere physikalische Erscheinungen unterliegen alle der Krümmung durch eine oft hohe Zahl von Einwirkungen, wie der Gravitation oder dem Magnetismus. Die Architektur trägt dem Rechenschaft und erlaubt der Bauausführung große Spielräume in der Ausführung der Waagerechten.

Gerade ist, was wir als gerade wahrnehmen oder mit entsprechend großen Toleranzen als solches messen zu können glauben, was wiederum immer davon abhängt, woran wir messen.

Die Ausstellung hinterfragt unser Konzept dessen, was wir als gerade, richtig oder korrekt wahrnehmen. Die Werke möchten auf die Relativität unserer Standarts und Normen hinweisen, indem sie Ort und Lage des Objekts, des Betrachters und des Raumes aus der Balance bringen.