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Figur und Grund

Inszenierung des Nicht-Definierten

M. Berkmann und F. Hutter im Kunstverein Passau 2005

Das Verhältnis zwischen dem Gemeintem, der Figur, dem scheinbar Bedeutsamen einerseits und dem Nicht-Gemeintem, dem Hintergrund, der Ausstattung andererseits beschäftigt Malerei und Bildhauerei seit Beginn der Kunst.
Einen kunstgeschichtlichen Exkurs kann man sich mit Hinweis auf einige Schlagworte sparen: Goldgrund, Autonomie der Landschaftsdarstellung, Umrißlinie, Auflösung der Form, negativer und positiver Raum, Durchbruch, erweiteter Begriff der Plastik ...
Die Räume des Kunstvereins Passau sind in diesem Zusammenhang ganz besondere. Es waren Sakralräume die nicht nur als Hintergrund für christliche Ikonografie dienten, sondern auch für riuelle Verrichtungen, christlichem Geist. Beidem wurden Sie beraubt und stehen nun ganz anderen Zwecken zur Verfügung: Dem Ritus des Kunstpräsentierens.
Frank Hutters Malerei beraubt die Figuren scheinbar ihres Kontexts. In vielen seiner Arbeiten finden wir freigestellte Figuren die sich scheinbar auf Ihre Geste konzentrieren, selten sind sie portraithaft. Trotz oder gerade wegen des fehlenden Hintergrunds evozieren Sie Fragen zu ihrem Umfeld: Es drängt sich gerade zu die Frage auf, ob der dargestellte Soldat eine Landmine entschärft oder ob er über einem getöteten Kameraden kniet, in welchem Krieg er kämpft, aus welcher Bildquelle die Vorlage stammt.
Marcus Berkmanns Skulpturen beschäftigen sich nicht nur mit dem gegebenen Raum als Hintergrund, sondern verstehen sich oftmals als Kulisse für eine Betrachtersituation, in der das Objekt selbst nur dienende Rolle zur Vermittlung einer Idee ist.
In der Situation einer Zweierausstellung müssen sich die beiden Künstler nicht nur im traditionellen Sinne dem Ort als Hintergrund ihrer Arbeiten stellen, sondern ihre individuellen Arbeiten auch im Kontext der jeweils anderen Werke verstehen. Darüber hinaus thematisieren sie die Annakapelle und den Innenhof mit gemeinsam erarbeiteten Installationen, die die scheinbare Kulisse des Ausstellungsraums zu einem eigenständigen Werk erhebt.

Betonplatten des Innenhofs aus dem Boden auf Sockel gehoben, teils schwimmend gelagert